Sind Alle Digital?

Sind Alle Digital?

Posted by siamndossi | 08.01.2020
Die Digitalisierung im architektonischen Berufsfeld - Sind ALLE digital

Die Digitalisierung im architektonischen Berufsfeld – Sind ALLE digital?


Die Schritte der Digitalisierung im architektonischen Berufsfeld haben immer alltägliche Herausforderungen mitgebracht. In Bezug auf die technischen Kenntnisse, Details, neue Werkzeuge (Geräte), haben solche digitale „Anpassungen“ bei der ersten CAD-Softwares Schwierigkeiten gebildet. „Am Anfang hatte man das architektonische Gefühl verloren“ war die Aussage vieler Architekten, die früher nur Handarbeit-Zeichnungen geleistet haben. Wie sieht die Lage bei der aktuellen BIM-Wende aus?

Sind ALLE digital? 

Die aktuellen Zustände in einem typischen Baugenehmigungsprozess in Deutschland zeigen, dass viele die Architekturbüros und –firmen im Bereich Digitalisierung ein Stück weiter als die Genehmigungsbehörden gegangen sind. In Deutschland ist das Papierform immer noch (u. ausschließlich) rechtlich bindend.[1] Es wird außerdem häufig noch gefaxt, was einen digitalen Informationenaustausch verhindert. Selbstverständlich werden gedruckte Papiere und Unterlagen im Notfall und bei der Archivierung gebraucht, allerdings können sie heute das Digitalform nicht ersetzen. Selbst die Karten bei Genehmigungsbehörden stehen manchmal nur in Papierform zur Verfügung; dies bedeutet für Architekten ein aufwendiges Nachzeichnen und einen vermutlichen Datenverlust. Die o. g. Zustände können allein beim Privatsektor nicht geändert werden, gesetzliche Maßnahmen sind daher sinnvoll.

Der typische Prozess „Drucken, Unterschreiben, Nachscannen“ verursacht enorme Probleme: Kein Zugriff auf Rastergrafik-Daten, zunehmende Dateiengröße, verpixelte Daten und keine Texterkennung.

Datenaustausch durch PDF-Format 

„Digital“ bei vielen Genehmigungsbehörden, Bauherren und Büros bedeutet ausschließlich das PDF-Format. PDF bietet viele Vorteile und ist mit verschiedenen Geräte kompatibel, allerdings ist das PDF-Format nicht die idealste Form eines BIM- oder sogar CAD-Datenaustauschs. BIM-Modelle werden hoch detailliert und im Zusammenhang mit ihren Datenbanken lange Zeit bearbeitet, danach werden nur die PDF-Unterlage an Bauherren und Behörden gegeben. Sogar an anderen Beteiligten am Bau wird manchmal das PDF-Format gegeben und verwandt.

Im schlimmsten Fall werden die PDF-Daten als Rastergrafik [2] ausgetauscht. Zeichnungen und Texte beim PDF-Format gelten als Victor-Objekte (Vektorgrafik) [3] und können (theoretisch) daher ins CAD- oder BIM-Software importiert werden. Viele Daten aus BIM oder CAD werden gedruckt und dann als PDF nachgescannt. Der typische Prozess von „Drucken, Unterschreiben, Nachscannen“ verursacht enorme Probleme: Kein Zugriff auf Rastergrafik-Daten, zunehmende Dateiengröße, verpixelte Daten und keine Texterkennung.

Das Papierform ist immer noch (und sogar ausschließlich) rechtlich bindend. Es wird außerdem häufig noch gefaxt, was einen digitalen Informationenaustausch verhindert.

 

Ein Beispiel von solchem Verfahren sind die „digitalen“ Karten bei Geoportal der Stadt Kassel. Die Karten haben zwar relativ gute Qualität, werden aber nachgescannt und verfügen über keine Vektorgrafik-Daten. [4] Der Architekt, der solche Daten nutzen will, muss selber nachzeigen oder eine andere Quelle finden – was nicht kostenlos sein könnte –. [5]

Ist eine zukünftige Umsetzung von digitalen Unterschriften, Genehmigungsbehörden, Notaren, beglaubigten Übersetzern möglich? Um diese Frage zu beantworten müssen neue Maßnahmen ergriffen werden. Denn digitale Daten ein sensibles Thema sind. Wegen der täglichen Cyberattacken und des Themas Datenschutz ist die Unschlüssigkeit bei einer kompletten Digitalisierung selbstverständlich. Die nächsten Schritte sollen in den Austauschnormen sein: Standards des Datenaustausches könnten das Closed-BIM-Verfahren [6] vermeiden und die sog. Datengrenzen entfernen.

Die gesamte Situation liegt auch daran, dass nicht alle Architekten bzw. Büros ihre BIM-Daten weitergeben wollen. Einige sehen solche Daten als „unbezahlte Leistungen“, die umsonst nicht abgegeben werden müssen. Laut HOAI können BIM-Leistungen unter Sonderleistungen vergütet werden.

 

Literatur & Fußnoten


[1] Zitat aus einer Ausschreibung der Stadt Freiburg: „Achtung! Angebote und Teilnahmeanträge in Papierform müssen nach den gesetzlichen Bestimmungen ausgeschlossen werden. Außerdem ist eine Abgabe per Fax oder E-Mail nicht zulässig.“ Quelle: stadt.freiburg.de im Jahr 2018! Es sind außerdem zahlreiche Fälle von ähnlichen Situationen bundesweit zu sehen.

[2] Rastergrafik oder Pixelgrafik sind Grafiken, die aus Pixel bestehen. Wie z. B. .jpg oder .png / Quelle: www.khronos.org/opengl/

[3] Vektorgrafik sind Computergrafikbilder die aus einer Kombination aus einfachen geometrischen Formen bestehen. / Quelle: www.khronos.org/opengl/

[4] Die PDF-Karten sind auf geoportal.kassel.de/ zusehen. (Optionen des Herunterladens)

[5] Eine Lösung für alte Unterlagen bezieht sich auf BIG Data: alle alte Unterlagen werden gescannt, dann mit OCR-Technologie in Texte und Vektors verwandt und besser archiviert. Dies erleichtert das zukünftige Suchen. Denn beim Cloud-Computing können Suchergebnisse schneller erledigt werden. Das hilft beim BIM- sowie CAD-Austausch und der Teamarbeit besonders in komplexen Projekten.

[6] ” Closed-BIM ” oder “Normal BIM” steht in für eine eingeschränkte Entwurfsumgebung, in der die Teilnehmer eine einzelne Software-Suite oder -Plattform verwenden müssen, die als Folge dieser Einschränkung die Zugänglichkeit für diejenigen einschränkt, die mit diesem bestimmten Tool nicht vertraut sind. Quelle:  Nathan, Hudson Closed BIM Versus openBIM – The Opportunities, Challenges and Implications of openBIM [Buch]. – Huddersfield: BIM Journal Ltd, 2018.

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